Die Erläuterungen zur Nordbiene stammen von der Website www.nordbiene.de

 

Die Dunkle Biene, Apis mellifera mellifera (Linnaeus 1758)

Kurz: Mellifera auch genannt: Nordbiene, Schwarze Biene, Nigra, Landbiene, Heidebiene, Nordrasse, Braune Deutsche Biene, Waldbiene

Kennen Sie die Dunkle Biene?
Wussten Sie eigentlich, dass die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera die in Mitteleuropa einzige ursprünglich heimische Biene ist? Und dass die Bienen, die wir heute im Allgemeinen kennen, Fremdbienen sind, die seit ca. 150 Jahren hier gezüchtet werden und aus dem Süden stammen? Und dass deswegen die einheimische Dunkle Biene in Deutschland ausgerottet wurde, von Imkerhand? Da kaum jemand in Deutschland die Dunkle Biene heute zu Gesicht bekommt, möchte ich Sie gerne einladen, mit mir die Mellifera im Folgenden kennen zu lernen. Was ist die Dunkle Biene? wird sich sicher manch einer fragen, oder Woher kommt die Mellifera? Folgende Abschnitte sollen also helfen, das Wissen über die "Nordbiene" zu verbreiten.
Vielleicht entsteht auch bei Ihnen Liebe auf den ersten Blick?

Herkunft und Verwandtschaft
Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren hat es von allen europäischen Rassen lediglich die Dunkle Biene geschafft, aus ihren Refugien in Südfrankreich nach Norden zu wandern. Sie ist die einzige Biene nördlich der Alpen und unsere einzige einheimische Biene! Ihr heutiges natürliches Verbreitungsgebiet reicht von den Pyrenäen im Westen bis zum Ural im Osten, von Südfrankreich bis zur Norwegischen Grenze. Die Dunkle Biene ist also in den Ländern Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg, Großbritannien, Irland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Polen, Tschechien, der Nordschweiz, Nordwestösterreich, Weißrussland, der Nord-Ukraine, Litauen, Lettland, Estland und Russland die einzige ursprünglich heimische Biene.
Die Mellifera gehört zur Westmediterranen Rassengruppe und ist genetisch mit der Sizilianischen, der Iberischen, der Rif- und der Tell-Biene verwandt.

Ihr Charakter
Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes der Mellifera wundert es nicht, wenn die Eigenschaften dieser Biene von Gebiet zu Gebiet Schwankungen unterworfen sind. Dennoch sind einige Eigenschaften für die Mellifera typisch als da sind:

  • große Winterhärte
  • geringe Schwarmneigung
  • sehr sanft (sanfter als viele Carnica-Völker)
  • erhöhte Verteidigungsbereitschaft gegenüber Eindringlingen (z. B. Wespen)
  • vorsichtiger, "maritimer" Brutrythmus
  • starker Pollensammeltrieb
  • hohe Langlebigkeit der Einzelbiene, auch der Königin
  • ausgeprägte Flugkraft

Von Natur aus ist die Mellifera eine recht lebendige Biene. Sie besitzt aber eine gute Sanftmut, die es erlaubt, alle Eingriffe in das Volk ohne Schleier und Handschuhe durchzuführen. Natürlich ist es wichtig, mit Ruhe an die Bienen zu gehen, ruckartiges Hantieren der Waben zu vermeiden und die Bienen nicht anzuhauchen. Beherrscht man diese imkerlichen Anstandsregeln, so ist die Mellifera angenehm zu behandeln.  

Das Aussehen
Äußerlich ist die Mellifera eine große, breite Biene mit schwarzem Chitinpanzer und schmalen, schütteren Filzbinden. Ihr Kubitalindex liegt immer deutlich unter 2.0! Der Gesamteindruck der Bienen auf den Waben ist seiden-glänzend-schwarz. Die Mellifera ist somit von den Südrassen (Carnica, Buckfast) leicht zu unterscheiden. Schwierigkeiten bereitete bisher allerdings die zuverlässige Unterscheidung der reinen Mellifera von ebenfalls "dunklen" Bienen mit leichtem Fremdrasseeinschlag. Dies gelingt nämlich mit den bisherigen Methoden des Kubitalindex und der Haarlängenmessung nicht. Heutzutage werden zur sicheren Abgrenzung der reinen Mellifera zwei weitere Indizes des Flügelgeäders in die Merkmalsuntersuchung mit einbezogen und anhand der am Institut für Bienenkunde in Oberursel entwickelten

Diskriminanzanalyse ausgewertet: dies sind die Diskoidalverschiebung und der Hantelindex. Durch einen Vergleich mit in England gefundenen "Museumsbienen" aus unterschiedlichen Jahrhunderten vor irgendwelchen Bienenimporten kann nun festgestellt werden, wo noch die reine Dunkle Biene vorkommt.  

Die Mellifera heute
Wie wir gesehen haben, ist die Dunkle Biene die in Mitteleuropa einzig heimische Biene. Leider wurde sie während der letzten 150 Jahre durch Fremdimporte bis an den Rand der Ausrottung gedrängt. Dennoch ist die Aussage vieler Gegner der Mellifera-Zucht falsch, die Dunkle Biene gebe es nicht mehr.

Das Gegenteil ist der Fall:
Heute kommt die reine Mellifera noch in folgenden Gebieten vor:

  • südwestliches Norwegen
  • in Teilen Englands und Irlands
  • stellenweise in Schweden
  • auf einer dänischen Insel
  • in Tirol
  • in Belgien
  • in Teilen der Schweiz
  • gebietsweise in Mittel-Ost-Europa (Polen, Weißrussland, Russland, baltische Staaten)
  • in Teilen Frankreichs

In den meisten der genannten Staaten haben sich bereits Imkervereine zum Schutz der heimischen Dunklen Biene organisiert. International sind diese Vereine, so auch die deutsche Gemeinschaft zum Erhalt der Dunklen Biene, in der SICAMM zusammengeschlossen, die den Erhalt der Dunklen Biene auf europäischer Ebene zum Ziel hat.

 Für Deutschland heißt dies:

  • Unterstützung der Mellifera-Zucht und der natürlichen Populationen in den anderen Ländern
  • Kontrollierte Einfuhr von Mellifera-Königinnen und Wiedereinbürgerung in Deutschland
  • Etablierung einer vernetzten Zucht der Dunklen Biene in Deutschland
  • Ausweisung von Mellifera-Reinzuchtgebieten, z.B. im Bayerischen Wald, Lüneburger Heide, Rügen etc.
  • Einrichtung von geschützten Mellifera-Belegstellen, z. B. im Hochgebirge und auf den Nordseeinseln
  • Zusammenarbeitung und Zusammenschluss von Mellifera-Züchtern auf internationaler Basis
  • Rückbesinnung auf eine naturgemäße, wirklich einheimische, gesunde Bienenzucht

 

Quelle von Text- und Grafik: www.nordbiene.de

 

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